Kaum einem ist wohl entgangen, was sich zur Zeit rund um die Plattform WikiLeaks abspielt. Einer der Aktivisten, Julian Assange, wird der Vergewaltigung angeklagt, die Arbeitserlaubnis verweigert sowie kein Asyl gewährt. Domains wurden immer wieder gesperrt und unter Druck vor allem des US Geheimdienstes wird versucht, weitere Veröffentlichungen der "WhistleBlower" zu verhindern. Für einige Tage war es Kunden von PayPal, Mastercard und Visa unmöglich, WikiLeaks zu fördern. 

Gewiss bewegen wir uns in eine Generation der Zensur hinein. Das Internet als freies Portal wird zunehmend unangenehmer für Regierungen und deren Lobbies, auch wenn sich durch die Vielfalt der Informationen die Bedrohung vermutlich noch in Grenzen hält. Dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren aber diverse Inhalte von Regierungen, der EU oder anderen politischen Kontrollinstanzen gesperrt werden, erscheint mir so gut wie sicher. Mit dem Vorwand, es handle sich zb. um kinderpornographisches oder terroristisches Material wird man sogar leicht die Zustimmung der Bevölkerung erreichen. Welche Inhalte dann aber nicht mehr zugänglich sind, wird uns irgendwann für immer verborgen bleiben.

Allerdings komm ich hier etwas vom Thema ab denn WikiLeaks funktioniert ja nach einem anderen Prinzip. Die Plattform sammelt politisch brisantes Material, das sie von unliebsamen Journalisten und Regierungskritikern erhält, die bei ihren Recherchen auf solche Informationen stoßen, diese aber oft im eigenen Land nicht publizieren können, weil sie sonst diskreditiert oder gleich geköpft werden. Die Dokumente werden anonym übermittelt und anschließend von WikiLeaks in Zusammenarbeit mit großen Mediengesellschaften, nach eigenen Angaben mit den New York Times, dem Guardian oder dem Spiegel, auf ihre Authentizität geprüft. Darin steckt die Macht von WikiLeaks. Ein Geheimdokument in den Händen eines "irren" Journalisten ist nun mal nichts wert, wenn WikiLeaks einmal mit dessen Veröffentlichung droht, schwitzen die Betroffenen aber schon ordentlich. WikiLeaks kann dann den Preis dieser Informationen vor der Presse in die Höhe pushen oder wie sie es gerne einfädeln wollen, in einer Auktion zur Versteigerung anbieten und so gelangt das mittlerweile saubere und geprüfte Material wieder zu den Medien.

Derzeit besitzt die Plattform über 1 Million gut verschlüsselter Dokumente, die auch sehr wohl als Lebensversicherung für Assange fungieren. Der gebürtige Australier ist nicht etwa der Gründer der Plattform sondern agiert als das Sprachrohr - so charismatisch wie ein Steve Jobs, was das breite öffentliche Interesse nochmal anhebt.
Sein Ansatz, seine Ideologie passt aber auch perfekt zu WikiLeaks. Schon in den 80ern, als er als Hacker des öfteren mit dem Gesetz in Konflikt geriet, war sein Ziel nicht etwa, Computer zu beschädigen sondern die darauf enthaltenen Informationen zu verbreiten.
Über 20 Jahre später ist er garantiert die Person, bei der sich wohl die großen Geheimdienste und die Militärregimes ausnahmsweise alle einig sind, dass sie ihn lieber tot als lebendig hätten.
Hoffentlich hat er's wirklich so eingefädelt, dass dieses Werk auch fortgesetzt wird, wenn ihm etwas zustößt.

Die Methoden, mit denen die Geheimdienste versuchen werden, Publikationen zu verhindern, werden vermutlich noch brutaler werden was in weiterer Folge zur Zensur führen könnte. Noch halten sich Gerichtskosten für WikiLeaks in Grenzen - bisher wurde kein einziges Verfahren, etwa wegen Dokumentfälschung oder Verleumdung, verloren, aber es werden schwierigere Zeiten kommen - mit Sicherheit.

WikiLeaks ist die Speerspitze der Pressefreiheit und diese zu schützen ist im 21. Jahrhundert eines der wichtigsten "Kulturgüter" unserer Gesellschaft. Gerade weil wir auch merken, dass unsere Stimmen immer weniger zählen, sollten wir jede Möglichkeit die Gesellschaft zu formen und die Politik mitzubestimmen ergreifen und so gesehen ist ein derartiges Medium nicht nur die Lebensversicherung eines einzelnen Aktivisten sondern eine sehr mächtige Kontrollinstanz für die, die auch uns kontrollieren. 

Ich empfehle, die Vorgänge um WikiLeaks sehr genau zu beobachten und gegebenenfalls ein Zeichen zu setzen mit einer Spende für diese Plattform. Es gibt nichts, was wir sonst dafür tun müssten.

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