Das Jetzt hat keine Zeit
(ein Auszug aus dem Newsletter)
Was da grad in Japan abgeht, is ja wirklich der Jackpot der Hölle auf Erden. Nicht nur die Verwüstung und der enorme Schaden aufgrund des Tsunami's, nein, dann noch die atomare Bedrohung und jetzt fängt's zum schneien an und wird eiskalt, und das bei der eingeschränkten Stromversorgung.... Ein übleres Szenario kann man sich fast nicht mehr vorstellen.
Wir hatten ja vor kurzem diese Diskussion über die Euratom und wie ihr vielleicht auf Facebook oder auf der Homepage gelesen habt, vertrete ich die Meinung, dass die Mitbestimmung und Teilnahme an der Atomenergie eine wichtige Stimme ist um sie einzuschränken, um sie sicherer zu machen oder ganz abzuschaffen. Deshalb bin ich gegen den Ausstieg. Natürlich muss die Abschaffung der Atomkraft als Stromlieferant das Ziel sein aber auf dem Weg dorthin sollte man sich jedes Mitspracherecht sichern und gerade Österreich ist hier ja auch sehr interessiert und sensibel was die Sicherheit der umliegenden Kraftwerke betrifft.
Dass rundherum nun Kraftwerke stillgelegt werden ist natürlich erfreulich aber auch irgendwo jämmerlich und typisch für das ein bissl komisch funktionierende menschliche Gemüt. Es muss immer erst was großes passieren, dass man handelt. Aber was soll's. Hauptsache, es wird gehandelt. Also sollten wir niemanden kritisieren, der eigentlich das tut, was wir uns erhoffen - aus welchem Grund auch immer.
Ich bin zwar natürlich auch gegen Atomenergie, aber man muss auch akzeptieren, dass es für viele Länder - und da is Japan definitv darunter - keine andere Möglichkeit der Energieversorgung gibt.
Das wahre Problem ist nicht die Atomenergie, das wahre Problem ist, dass wir Menschen in einem Ausmaß und Überfluss leben, der über die Ressourcen dieses Planeten hinausgeht. Vermutlich würde es uns nicht einmal auffallen, wenn man 50% des Energieverbrauchs an den richtigen Ecken einspart, aber dieses System, das natürlich von den wirklich mächtigen Konzernen und Lobbies, also die, die noch um einiges mehr Macht haben, als jeder Politiiker oder Repräsentant eines Landes, gestützt wird, ist nicht leicht zum Einsturz zu bringen.
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die jungen Menschen dieser Erde nicht mehr auf naiv tun und nur versuchen die Spitze des Eisberges abzuhacken. Um den Planeten zu retten, müssen wir ganz unten ansetzen, die konservativen Strukturen, die in der Vergangenheit geschaffen wurden - zumeist von 60- 70-jährigen Fast-Schon-Pensionisten, die behaupten, sie würden was für die Zukunft eines Landes tun, dabei haben die doch schon die meiste Vergangenheit in sich, diese Strukturen müssen aufgebrochen werden!
Die Lebensmittelindustrie muss komplett umgekrempelt und damit auch ein Bewusstsein für die Umwelt geschaffen werden, der Energieverbrauch muss optimiert werden und der Umgang der Menschen untereinander muss verantwortungs- und liebevoll ausgerichtet sein und nicht abgrenzend und kritisch.
Das sind nur einige wenige Punkte, aber so vieles ergibt sich dann wie von selbst. Diese globalen und sozialen Probleme dürfen wir nicht als etwas übermächtiges, unerreichbares ansehen sondern es muss einfach umgesetzt werden. Da is nichts übermenschliches dran. Es geschieht ständig um uns und durch uns. Dabei muss es gleichzeitig vollkommen egal sein, ob wir das für uns selbst oder für unsere Kinder machen, denn dadurch käme ja wieder nur diese tödliche Komponente Zeit ins Spiel, wo man ja überlegen könnte, ob ich nicht eh noch ein schönes Leben haben kann und meine Nachkommen vielleicht auch noch oder ob mir das vielleicht wuascht sein kann.
Zeit ist das bösartigste Virus in unserem Leben geworden. Wir wollen immer älter werden aber immer jünger aussehen. Wir werden in unserer Freiheit immer mehr eingeschränkt, gleichzeitig steigt der Leistungsdruck um es "in der Zukunft" besser zu haben. Das alles ist reine Illusion. Medien und Werbung unterstützen diese Wahnvorstellung ebenso durch ständige Prognosen, Trends und Neuentwicklungen. Als hätten wir "keine Zeit mehr" werden dann Neuerungen so schnell wie möglich umgesetzt um möglichst schnell möglichst viel Gewinn zu erlangen ohne nachhaltig und langfristig zu planen. Hier müssen wir massiv dagegenwirken.
Profit, der in den hollywood'schen Lottogewinn-Dimensionen ohnehin nur einigen wenigen vorbehalten ist, ist stets vergänglich und darf kein Ziel sein. Eher ist es wie eine Krankheit, immer mehr materiellen Gewinn erreichen zu wollen. Wohlstand kann sich nur durch Zufriedenheit und Einklang äußern. Ich will jetzt niemandem nahelegen, er soll zb. auf sein iPhone verzichten aber Waren, die drei mal um die ganze Welt reisen, müssen massiv teurer werden. Es kann nicht sein, dass landwirtschaftliche Produkte, die bei einem einfachen Bauern um ihren normalen Wert verkauft werden, billiger sind, wenn ich sie mir vom anderen Ende der Welt schicken lass, wo der Transport schon ein vielfaches wert sein müsste. Da muss dieser Transport verhindert oder zumindest so teuer werden, dass man erkennt, wie sinnlos es wäre, dieses Produkt aus einem fernen Land einzuführen. Auch der Fleischkonsum sollte wieder zu etwas besonderem, nicht alltäglichen werden. Die Globalisierung der Wirtschaft muss angehalten werden, die Vorteile, die die Ober- und Mittelschicht daraus erzielt, stehen in keiner Relation zu dem ökologischen Schaden, den man dadurch anrichtet. Man sollte eher auf die Globalisierung der sozialen Netzwerke setzen, denn das is ja eigentlich der erste Schritt noch bevor man Handelsbeziehungen pflegt.
All diese heftigen Einschnitte in unseren Lebenswandel können wir nicht von langweiligen Anzugträgern erwarten. Politiker müssen jetzt eine massive Verjüngungskur durchmachen. Mein Modell sieht vor, dass jeder Bürger unmittelbar nach seiner Ausbildung in die Politik oder zumindest in die einfache Administration eines Landes wechseln muss und dort quasi wie in einem Präsenzdienst dienen soll. Die ganzen alten Politiker, die uns eigentlich nur auf den Sack gehen, sollten einen Weisenrat ohne Entscheidungsmacht bilden. Politiker müssten zudem spätestens mit 40 zwangspensioniert werden um dann in die Privatwirtschaft wechseln zu können. Junge Menschen wären meines Erachtens viel eher in der Lage, die Probleme unserer Zeit zu erkennen und ihren Arsch dafür zu riskieren als 60-jährige Langweiler, die ihre Enkelkinder ernähren wollen.
Und. Wie machen wir das jetzt?
Der Masterplan:
hab ich nicht. Überleg ich mir noch.....
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Guter Text, Masterplan gute Frage..die Menschheit zum Umdenken bewegen, geht meiner Meinung nach hauptsächlich über Medien, also TV, Werbung, Internet und auch über die Künste, also Musik, Theater, Text, bildende Kunst. Ich bin etwas zuversichtlich, sehe nicht alle schwarz, weil die junge Generation, die jetzt nachkommt, ist kritischer als wir es waren, auch selbstbewusster, keine Ja-sager, darum glaube ich, dass trotz allem Hoffnung besteht, dass es zu einem Werte- und Bewusstseinswandel kommen kann. Hoffentlich rechtzeitig.
(ein journalistisch und kreativ tätiger weiblicher Stammgast, 25. April, 22:28 Uhr) -
danke:)
da hast du schon recht. Vor allem über Künste, insbesondere die Pop(uläre)-Musik kann man die Menschen gut erreichen. Die Medien hingegen sprechen halt zumeist leider eine andere Sprache, da is der Einfluss des Geldes wohl wichtiger.
Dass die junge Generation so viel anders is, wäre zu hoffen, aber das glaub ich gar nicht. Wir haben "früher" auch zu allem "nein" gesagt und festgestellt, dass wir damit gar nichts erreichen. Je älter man wird, desto eher schwimmt man dann mit dem Strom, deswegen schwirren mir da immer blutjunge Politiker durch den Kopf....
Ich glaub, es muss einen großen Pascher machen, dass was passiert. Sowas wie Fukushima bewegt schon etwas, noch "besser" wäre ein großer Krieg - was jetzt wirklich nicht zu wünschen ist - aber danach halten die Menschen meist zusammen. Hingegen wenn es ihnen zu gut geht, entfernen sie sich voneinander. Letztendlich schadet ein Krieg aber wieder nur den Ärmeren bzw. der breiten Masse während die Elite ihre Schäfchen im Trockenen hat.
Das beste wäre eine große Jugendbewegung oder Kulturrevolution wie in den 60ern, auf das hoffe ich am stärksten. Ich glaub, es brodelt da schon irgendwie. Diese ganzen Stubenhocker, die die meiste Zeit vor Videospielen oder Facebook verbringen, brauchen bald mal ein bissl Bewegung. Irgendwas überhaupt nicht absehbares muss passieren....
Lasst es krachen, Leute!
(joe, 26. April, 16:11 Uhr)

